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2015: "Parkgeschichte(n)"

Der weitläufige Schlosspark von Artstetten ist nicht wie jeder andere Park – hinter jedem und sogar in einigen der alten Bäume, hinter allen Felsen, die die Wege säumen, kann ein Stückchen der Geschichte von Schloss Artstetten und seinen Besitzern, vor allem „Blumen-Kaiser“ Franz I., Erzherzog Franz Ferdinand und seinem Vater Erzherzog Carl Ludwig, verborgen sein.

Die Sonderausstellung 2015 führt durch die Entstehungsgeschichte des historistischen Parks, der sich auf der Liste jener 56 im Bundesdenkmalschutz-Gesetz angeführten historischen Garten- und Parkanlagen Österreichs, die als höchst schützenswert gelten, befindet. Darüber hinaus verrät die im Schloss Artstetten wohnende Familie Hohenberg viele „private G’schichten“ rund um die Bewohner des Hauses, die sich im Laufe der Zeit im und um den Park zugetragen haben.

Als Kurator konnte der in Melk lebende freischaffende Landschaftsplaner,
-ökologe und -architekt Dipl.-Ing. Dr. Alfred Benesch gewonnen werden, der sich seit 2008 intensiv mit der Geschichte des Parks auseinandersetzt und im schlosseigenen Archiv auf viele interessante und teils auch amüsante Anekdoten stieß!


Die Geschichte

Das 1268 erstmals urkundlich erwähnte Schloss mit baulich angeschlossener Pfarrkirche ist im Kern ein Renaissance-Bau aus dem 16.Jahrhundert, der Ende des 19. Jahrhunderts aufgestockt und mit Zubauten versehen wurde.

Aus der Frühzeit ist nichts Näheres über den Garten bekannt, erst mit Übernahme der Anlage durch den „Blumen“-Kaiser Franz I. im Jahr 1823 wird er genauer dokumentiert. Kaiser Franz bzw. seine Frau Carolina Augusta sind bis heute hier präsent durch die gezielte Umgestaltung des weitläufigen Areals zu einer parkartigen Anlage.

Unter Erzherzog Carl Ludwig, ab 1871 Protektor der österreichischen Gartenbaugesellschaft, wird 1861-66 ein Gartenplan zur landschaftlichen Umgestaltung erstellt, der im Wesentlichen umgesetzt und im Kern bis heute erhalten ist. Die großräumige Gliederung und die Errichtung von Wegen gehen nachweislich auf ihn zurück. Als begeisterter Schwimmer ließ er auf einer Anhöhe des Parks ein Schwimmbecken (das auch als Löschteich diente!) sowie ein weit verzweigtes Wasserleitungsnetz zur Versorgung des s.g. Obstgartens aber auch der beiden Springbrunnen in der, nach geomantischen Richtlinien errichteten Kastanien-Allee errichten. Zum 3köpfigen Stamm-Park-Personal wurden „in der Hochsaison“ bis zu 27 weitere Gärtner aufgenommen. Rechnungen über beispielsweise „30 Kisten für Erdbeeren und andere Früchte“ belegen, dass die Obsternte großteils an den Wiener Hof verkauft wurde.

Dass die Familie Carl Ludwigs und damit auch der kleine Erzherzog Franz Ferdinand diese neue Anlage auch tatsächlich intensiv benutzt hatten, zeigen so überraschende Abrechnungen wie z.B. im Juli 1865 „Baum-Leim um einen Papagei zu fangen; Glas für einen Laubfrosch; 7 Stück Goldfische“!

Schließlich übernimmt Erzherzog Franz Ferdinand 1889 die Anlage und baut sie als Sommer- und Wochenendsitz bis zum Attentat auf ihn (Sarajewo 1914) aus mit repräsentativer Vorfahrt und Automobilstraße, Garage, sonstigen Zubauten und Gartenerweiterung im Nord-Osten. Der Gartenarchitekt Josef Oskar Molnar entwarf nach Erzherzog Franz Ferdinands Vorstellungen einen formalen Gartenteil westlich des Schlosses, im Sinne eines „modernen architektonischen Gartens“ und ergänzte den Park mit bis heute erhaltenen Gehölzpflanzungen. Franz Ferdinand nahm als kundiger Botaniker starken Anteil an der Parkumgestaltung – ließ aber auch die Umgebung des Ortes Artstetten durch gezielte Anpflanzungen mit Mischwäldern und Hecken bereichern. Unter Erzherzog Franz Ferdinand wurde auch die alte Reitschule im Nordwesten des Schlosses reaktiviert, da die gesamte Familie reitbegeistert war.

Nach Ende der 1. Republik erfolgt die Enteignung der Anlage durch die Nazis, nach dem 2.Weltkrieg die Rückgabe an die Familie Hohenberg. In diese Zeit fallen Umbauten im Bereich des Formalgartens und des Schwimmbeckens (1950er). Die schleichende Verwilderung der Anlage beginnt.


Der Schlosspark heute

Bislang war diese wertvolle Gartenanlage weitgehend unbekannt, obwohl sich das Schloss in den vergangenen 30 Jahren als wichtiges touristisches Ziel etabliert hat. Mit Übernahme der Herrschaft Artstetten durch die Ur-Enkelin Erzherzog Franz Ferdinands, Anita Hohenberg, in den frühen 1980er Jahren beginnt die behutsame Revitalisierung der Parklandschaft mit Bepflanz- und Durchforstungsplänen. Mit der Anlage von 10 Pfingstrosenbeeten mit insgesamt über 2000 Pflanzen setzte die derzeitige Besitzerfamilie den Grundstein für das „Pfingstrosenparadies“, das jährlich von Mitte Mai bis Mitte Juli zahlreiche Besucher nach Artstetten zieht.

Seit der teilweisen Öffnung des privaten Parkteils im Jahr 2014 können Besucher den
reichhaltigen alten Gehölzbestand mit Raritäten wie Mammutbäumen oder Säuleneichen und Trauerfichten sowie die unterschiedlichsten Gartenräume bzw. -teile (Nutz-, Obstgarten, Kastanien-Promenade, Schwimmbecken mit Gartenpavillon, Steingarten, Terrassen, der historistische, formale Garten etc.) in ihrer ineinander verschachtelten Abfolge auf verschiedenen Niveaus begehen. Dabei ergibt sich ein vielfältiges Spektrum von beeindruckenden Ausblicken in die umgebende freie Landschaft bis ins Donautal und Alpenvorland.

Der Spaziergang durch diese Anlage birgt viele optische Überraschungen, die das Areal noch viel größer erscheinen lassen und mitunter das Gefühl vermitteln, Teil der umgebenden Landschaft, gleichzeitig aber in einem gestalteten Gartenraum geborgen zu sein.
Diese garten- und kulturhistorisch äußerst wertvolle Anlage spielt nicht nur eine symbolische Bedeutung für die österreichische Geschichte, sondern ist auch ein gutes Beispiel historistischer und „moderner“ Gartenkultur mit großem Entwicklungspotential.

Schloss Artstetten - Schlossplatz 1  - A-3661 Artstetten - Telefon: +43 (0) 7413 / 8006 - Mail: museum(et)schloss-artstetten.at

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